Geistliches Wort zur Karwoche

 

Kaplan Jakub T. Kowalski (07.April 2020)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

die Fastenzeit 2020 ist für die meisten von uns eine besondere Zeit: viele von uns erfahren Unsicherheit, Ohnmacht, Vorläufigkeit und Ratlosigkeit. Niemand kann uns sagen, wie lange die Corona-Krise dauern wird und wie unsere veränderte Welt nach der Krise sein wird.

 

In dieser Zeit kommt uns der Herr entgegen und spricht zu uns. In der Heiligen Schrift könnenwir Kraft und Hilfe finden. 

In der Karwoche werden wir das Pascha feiern: ein Fest des Übergangs aus der Sklaverei in die Freiheit, von der Traurigkeit zur Freude, vom Tod zum Leben.

 

Nach dem feierlichen Einzug in Jerusalem feiert Jesus sein Pascha.

 

Gründonnerstag: das letzte Abendmahl.

Am Donnerstagabend vor dem großen Fest feiert Jesus das Paschamahl mit seinen Jüngern. 

 

Die Tradition der Kirche feiert an diesem Tag die Einsetzung der Sakramente der Eucharistie und der Weihe. Aber vor allem feiert sie das Fest der Nächstenliebe. Es wird das Evangelium nach Johannes proklamiert. Während die anderen Evangelien das Mahl mit Brot und Wein 

beschreiben, setzt der Evangelist Johannes seinen Schwerpunkt auf die Geste der Fußwaschung, einem Zeichen der Nächstenliebe. Jesus macht sich klein, beugt sich vor dem Simon Petrus und möchte ihm die Füße waschen. „Was ich jetzt tue, verstehst du noch nicht, später wirst du es begreifen.“ Wann begreift Petrus, was Jesus ihm getan hatte? Später, am nächsten Tag. An dem Tag, an dem Simon Petrus Jesus verraten hatte, begreift er endlich, wie

groß die Liebe Jesu war! Jesus macht sich klein, wäscht dem Sünder die Füße! Was für eine Liebe!

 

„Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ Dieser Aufruf, dem Nächsten zu dienen, den Nächsten zu lieben, ist nicht mit unseren Kräften umsetzbar. Dafür brauchen wir – wie Simon Petrus - die Reue. Unsere Sünden zu bereuen, zu beweinen – das öffnet unser Herz für die Vergebung. Mit dieser Erfahrung können wir einander lieben, einander dienen, ohne etwas dafür zu erwarten. Es ist eine Erfahrung der Freiheit, die der Herr uns schenkt. 

Am Karfreitag steht das Kreuz des Herrn in der Mitte der Liturgie.

Die Kirche verkündet die Passion des Herrn nach Johannes, betet für die ganze Welt und verehrt das Kreuz. Das Kreuz ist der Altar des Neuen Bundes: Gott opfert seinen Sohn für uns, damit wir durch ihn neues Leben empfangen.

 

„Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,4-5)

 

Wo begegne ich dem Herrn, dem Leidenden Gottesknecht? Im Kreuz. In meinem Kreuz.

 

Was ist heute mein Kreuz? Was ist das Leiden, das ich zu tragen habe? Eine Krankheit? Einsamkeit? Ohnmacht? Schwierige Situation in der Familie? Enttäuschung oder Verletzung? Unsicherheit? Er hat unsere Krankheiten getragen – schreibt der Prophet Jesaja. Er kennt unser Leid. Dort wartet er auf uns.

 

Am Karfreitag verehrt die Kirche das Kreuz. Im Kreuz ist der Herr uns nahe. Wir sind eingeladen, das Kreuz unseres Lebens zu verehren. 

 

„ Dein Kreuz ,  o Herr , verehren wir , und  deine  heilige Auferstehung preisen  und rühmen wir : Denn siehe, durch das Holz des Kreuzes  kam Freude in alle Welt.“

 

Durch das Leiden des Kreuzes bringt Christus Freude. „Wenn wir mit ihm leiden, werden wir mit ihm leben!“ schreibt der Heilige Paulus.

 

Die Begegnung mit Christus, dem Gekreuzigten, gibt uns Kraft, das Kreuz unseres Lebens zu tragen, sie schenkt uns Hoffnung. Am 5. Fastensonntag sagte Jesus zur weinenden Marta:

 

„ Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du es? “ (Joh 11,25-26) Jesus Christus ist die Auferstehung und das Leben!

 

Möge die Begegnung mit dem gekreuzigten Herrn unser Leben mit der österlichen Hoffnung erfüllen!

 

Ihr Kaplan Jakub T. Kowalski