Geistliches Wort zum Palmsonntag

Pastoralreferent Martin Kalff (02. April 2020)

 

Wenn wir sonst zusammen den Palmsonntagsgottesdienst feiern, versammeln wir uns draußen zur Palmweihe und ziehen dann feierlich in die Kirche ein.   Erst später wird dann in der Kirche die Leidensgeschichte vorgelesen. Feierlich zieht auch Jesus mit seinem Freundeskreis in Jerusalem ein. Am Anfang dieser Karwoche sieht noch alles verheißungsvoll aus. Und sicher werden auch die Freundinnen und Freunde Jesu Pläne und Träume für ihren Aufenthalt in Jerusalem gehabt haben. Vielleicht haben einige auch gehofft, dass Jesus auf Zustimmung und Sympathie in der Hauptstadt stoßen wird. Und vielleicht werden sie auch gehofft haben, dass sie selbst dann eine wichtige Rolle spielen werden.

 

Nur wenige Tage später sieht alles anders aus. Nicht mehr feierlicher Einzug, sondern Flucht Hals über Kopf ist angesagt. So schnell ändern sich die Dinge.

 

Wie schnell sich Dinge ändern können, wird auch mir in diesen Tagen neu bewusst. Schau ich in meinen Kalender sehe ich Veranstaltungen, Termine, Begegnungen, Vorbereitungstreffen, die jetzt alle ausfallen.Was vor wenigen Wochen noch meinen Alltag prägen sollte, was gesetzt war, findet gar nicht statt. So schnell ändern sich die Dinge. Schneller und umfassender als ich es mir hätte vorstellen können.

 

Und was bleibt, was bleibt wirklich wichtig und ändert sich nicht?

 

Drei Dinge sind mit in diesen Tagen besonders wichtig geworden.Zum einen das Gebet. Es ist eine besondere Form der Begegnung in dieser begegnungsarmen Zeit.   Neu entdecke ich, dass mein Gebet mich vernetzt mit Gott, aber auch mit den Menschen, die ich im Augenblick nicht treffen kann. Und auch mit den von der Pandemie besonders betroffenen Menschen. Kardinal Newman, ein großer englischer Theologe des 19. Jahrhunderts, hat es einmal so ausgedrückt: „Nie bin ich weniger einsam als wenn ich bete, selbst wenn ich alleine bete.“

 

Die zweite Erfahrung, die ich in dieser Zeit sehr wohltuend finde, sind die vielfachen kleinen Zeichen der Solidarität untereinander. Da haben Messdiener die Idee, für ältere Menschen einkaufen zu gehen. Da gibt es Telefonate oder Kontakte über die sozialen Medien.

Ich telefoniere auch mit Menschen, die ich schon länger nicht gesprochen habe. Jetzt ist dafür Zeit. Jetzt nehme ich mir die Zeit. Oder ich werde angerufen. Ich spüre: Auch wenn im Augenblick Treffen nicht möglich sind, bin ich im Blick. Gerade in dieser Zeit, wo Begegnungen nicht möglich sind, geht mir ihr besonderer Wert neu auf.  

 

Noch ein letzter Punkt. Mir geht neu auf, dass ich mich im „normalen“ Alltag auch oft ablenke. Das ist jetzt nur sehr eingeschränkt möglich. Vieles spielt sich in der Wohnung ab, ob alleine oder mit Familie. Die Möglichkeiten eines Ablenkungsprogramms sind sehr eingeschränkt. Aber auch hier spüre ich: Da, wo auch die Schattenseiten meines Lebens mir vielleicht deutlicher vor Augen stehen als sonst, da spüre ich, wie wichtig mir der Gedanke ist, dass Gott diesen Alltag mit mir teilt, dass sein Dasein für mich nicht weniger wird. Gott gehört nicht zum Ablenkungsprogramm, sondern trägt meinen Alltag auch in dieser Zeit.

 

Palmsonntag, ein Tag, der uns in Erinnerung ruft, wie schnell sich die Dinge ändern können. Ein Tag, der uns aber auch daran erinnert, was uns dann Halt und Zuversicht geben kann.

 

Diese Zuversicht gerade in der jetzt beginnenden Karwoche wünsche ich Ihnen und Ihren Familien.

 

In herzlicher Verbundenheit,

 

Martin Kalff